Sonntag, 13. Juli 2014

2.7.14

Kornblumen wie verschüttetes Wasser
in der Luft der Geruch nach Regen & Feld
Im Gesicht die Sonne von Tagen

1.7.14

Der Tag schlägt die Augen auf
Und das Buch schlägt die Augen auf
Wir gehen durch die Welt
wie durch ein Buch
Mit Satzzeichen aus Farn

Im Traum:
Zwei
im Schatten der Schafgarbe
in der Kammer aus Mirabellenduft
einander liebend

30.6.14

Storchschnabel
Eiche

Apfelbaum
Ins Walddunkel tauchen
Stille
Nur deine Gedanken
verheddert in den Ästen

Und auf dem Weg
ein Lied
von weit her
weit

"Über diesen Stein geht das ganze Dorf", sagt der Schmied
Der Stein für den Sarg
In der Tür eine Lücke für die Seele

GROSS

Ich möchte etwas Großes schreiben.
Etwas sehr Großes.
Rie-sen-groß

Groß wie ein Haus
Wie ein Turm
Wie ein Porsche Cayenne
Und wie eine deutsche Eiche

Etwas Großes.
Von Geburt und Tod
Krieg und Frieden.
Und von Krokodilen.
Auf jeden Fall von Krokodilen!

Etwas Großes.
Mit Liebe und Sex.
Und Verhängnis
Und TOD
Rie-sen-groß

Etwas richtig Grosses.
Mit großen Worten:

GERECHTIGKEIT
GNADE
GESETZ UND EVANGELIUM

Und Leviathan.
Und Engeln!
GROßEN Engeln!
Rie-sen-großen Engeln
Mit Flügeln bis zum Himmel
Und mit Krokodilen.

Ahja, das sagte ich bereits.

Ich möchte etwas Großes schreiben.
Etwas, das zählt.

Aber wahrscheinlich wird's doch wieder was mit Kamille im Wind.
Und mit dem Geruch an deinem Hals, wenn du dich neben mich legst.

Pfingst-Slam

I: Meer. Wald. Regen.
Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel.
Vom Meer her kommt Wind.
Vom Meer her kommt Regen.
Ein Brausen.
Ich träume:
pfefferminzgrün ist der Himmel
Wie deine Augen mittags.

Ich träume:
Pfefferminztee in kleinen Gläsern.
Pfefferminztee mit viel Zucker.
Im Schatten des Sommers.
Im Schatten der Wolke
Der Wolke, die den Geist ausregnet

Ich trinke.
Trinke Süßes.
Bittres.
Trinke Leben.

Ich träume:
Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Ich folge. Folge. Folge...
Durch den Wald.
Pfefferminzgrün ist der Himmel.
Und mein Kleid weiß wie die Rinde der Birken.

Ich träume: Ich folge den Wörtern durch den Wald. 
Von ferne: Glocken
Ist eine gestorben?
Wurde einer geboren?
Ist eine auferstanden?

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Von ferne das Rauschen der Autobahn
Vom Meer her kommt Wind.
Vom Meer her kommt Regen.

Geistregen.

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Ein Reh. Ein Bär. Ein Kolibri.
Mägde. Knechte.
Der Ruf des Propheten.
Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Die Schere im Kopf macht schnipp.
Macht schnapp.
Schnipp. Schnapp. Schnipp. Schnapp. Schnipp. Schnapp. Schnipp. Schnipp. Schnipp
Ich sehe dennoch.
Krokodile!!
Nur aus Plüsch. Keine Sorge.

Ich sehe.
Sehe: Dich.
Sehe den Geruch des Meeres.
Höre den Herzschlag der Schafgarbe
Rieche ihr Lied

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Sie verhaken sich ineinander
Wie wilder Wein.
Wie wilde Liebende.
Ich höre sie seufzen
Lachen.
Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Vom Meer her kommt Wind.
Vom Meer her kommt Regen.
Durchnässt mich
Bis auf die Haut.
Mein Kleid klebt an mir.

Geistregen.

Geist und Wald.
Und Regen.
Und Meer.
Quillt zwischen meinen Zehen hervor.
Lässt Moos wachsen in meinen Kniekehlen
Und Baumschößlinge wurzeln in meinem Ohr.
Im rechten. Um genau zu sein. Im rechten Ohr.

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Folge. Folge. Folge. Folge...  

Donnerstag, 29. Mai 2014

Predigt-Slam: The Movies - ein Best-Of




Mittwoch, 28. Mai 2014

Predigtslam: Drei kleine Abrechnungen mit Wittenberg: I Katholikum























Ich habe den Rosenkranz in die Küche gehängt
Gleich neben den Korkenzieher
Und das Fläschchen mit dem Wasser aus Lourdes steht im Büfett hinter Glas.

Nur dass Sie es wissen, Mr. Martin Luther.
So ist das.
Leben süß wie Kaffee mit 7 Löffeln Zucker. Wie Lakritz. Und Mehlspeis.
Und wie der Geruch nach Weihrauch
Mr. Martin Luther.
Doktor Martin Luther. Verzeihung.
Herr Professor.

Überm Bett: Blau. Gold.
Ein Wirbel aus Glanz
Und eine blinkende Lichterkette
Gegrüßet seist du Maria
Voll der Gnaden
Königin der Marmeladen
Mit Lippen rot wie Blut
Himmelsmutter
Wolkenreiterin
Alles, nur nicht Jungfrau.

Nur dass Sie es wissen, Mr. Martin Luther.
So ist das.
Protestantisches Pfarrhaus.
Katholische Gene.

Predigtslam: Drei kleine Abrechnungen mit Wittenberg: II Haie

University of Wittenberg
Rechtfertigung heute
Sola Fide undsoweiter
Holy Bible
An Essential Guide to Everything
2017 ist nahe herbeigekommen

Heute angesagt: 15 Grad und Regen
Heute angesagt: Sinnflut

Bei H&M ein rosa Pullover mit schwarzen Haien
 - Haie sind die neuen Eulen -
Mit schwarzen Haien – so groß wie kleine Schmetterlinge

Wenn du die Augen zumachst
Oder einfach nur: dich umdrehst und wieder umdrehst, dann sind sie fort.

Die Haie – so groß wie kleine Schmetterlinge
Durchstreifen die Stadt
Haischwarm

Beißen sich fest in den Sonnenhüten der japanischen Touristinnen
Eröffnen eine Bar im verrosteten Wohnwagen auf dem Parkplatz
Legen sich schlafen unter den Lesepulten, den Kerzenständern, den Gesangbuchwägen und den Tischen mit den Flyern, die erzählen von Luthers Frau und Luthers Kind und Luthers Hund und Luthers Magen, Darm und Everything

Haischwarm
Sinnflut

Die Haizähne wie winzige Nadeln
Zerfressen die Wörter
Zernagen die Fahne
Rechtfertigung heute - Essential Guide to Fucking Everything
Zerfällt zu Staub
Grau in Grau
Wie die Haare der Damen und die Anzüge der Herren
Und die Sinnflut
Grau in Grau

Zurück bleiben nur kleine Tropfen Blut an deinem Handgelenk
Wie von Stacheldraht oder Dornenkrone
2018 ist alles vorbei

Predigtslam: Drei kleine Abrechnungen mit Wittenberg: III Sitzen bleiben

Und ich bliebe hier sitzen
Wartete, bis der Sommer vorbei wäre.
Lobte den Herrn täglich.

Bliebe hier sitzen.
Das zitternde Gras um mich
Der Klee
Spitzwegerich wüchse zwischen meinen Zehen einfach weiter.

Und so ginge der Sommer dahin.
Am Abend, wenn es kühler würde, öffneten sie die Fenster
und ich könnte sie hören
wie sie lachen, dann stöhnen.
Schreien vor Lust
So dass der Riss in der Backsteinwand ein kleines bisschen breiter wird.

Ich bliebe hier sitzen
Den ganzen Sommer lang
Lobte den Herrn täglich – nicht öfter
Die Vögel flögen tief
Ihre Flügel streiften mein Haar
Hinterm Bauzaun läge eine Tüte Haribo
Und die Reste einer Plastikangel
Kinderspiel

Und ich bliebe hier sitzen
Bliebe sitzen bis der Sommer vorbei wäre
Und der Riss in der Mauer tief
Bis einer Türen knallte und auch das zu Ende wäre
Die Schwalben sich sammelten
Das Graffiti verblasste
Das Haus zerfiele
Und ich Erde würde
Sand und Staub
Die der Wind fort trägt.

Sonntag, 11. Mai 2014

We are unstoppable


Donnerstag, 8. Mai 2014

Freitag, 18. April 2014

Hoc est Corpus meum. Karfreitagspredigt




Text: Jesaja 53,4f  
Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. 

Das ist dein Leib 
Adern. Blut. Haare. Haut.
Das ist dein Leib.
Das ist dein Körper.
Fett. Knochen. Eingeweide. Fleisch.
Runzlig und verklebt aus deiner Mutter Leib in die Welt gerutscht. Schreiend.
Das ist dein Leib.
Ist dein Körper.
Lunge. Herz. Magen. Milz.
Was Lust macht.
Was Schmerz macht.
Wächst. Blutet. Was vernarbt und verwelkt.
Am Ende in der Erde wird er zur Erde.
Dein Körper.
Dein Leib.

Sonntag, 30. März 2014

Rotkehlchen II

Der kommt übers Meer.
Unsichtbar.
Salzwind im Mantel.
Süden im Gesicht.
Kommt übers Meer
Und bis zum Fluß.
Dorthin, wo die Steine spitz sind und das Wasser blutig verfärbt.

Lächelt.
Leuchtet.
Setzt sich neben dich.
Legt den Finger auf die Lippen
Du tust es ihm nach
Deine rissigen Lippen.
Rissig wie deine Hände.
Wie dein Herz.
Pssst.
Hörst du?
Das Rotkehlchen-Lied.
Wie es singt.
Wie es tanzt im Morast.
Hüpft.
Fliegt.
Es ist wie du.
Hab keine Angst.
Erinnere dich.

Rotkehlchen I

Zieh die Schuhe aus, sagt die Alte, 
Wenn du zum Fluss gehst, zieh die Schuhe aus.
Du hast besser Halt so. Die Zehen krallen sich in den weichen Lehm. Achte nicht auf die Steine. Du wirst lernen, sie zu vergessen.
Fürchte den Schmerz nicht. Und nicht den Dreck. Und nicht den Gestank.
Fürchte dich nicht vor dem Schwan und seinem Geschrei. Seinem aufgerissenen Schnabel.
Fürchte dich nur vor dem Rotkehlchen.
Vor seinem Blick.
Wie weich ist sein Gefieder.
Sein purpurner Brustfleck.
Der winzige Schnabel.
Die feinen Vogelfüßchen.
Fürchte das Rotkehlchen.
Seinen Tanz im Morast.
Seinen hüpfenden Flug.
Es erinnert dich...
An das Kind im Sand
An den Frühling im Haar
Wie leichtfüßig du warst.
Ach, achte nicht darauf.
Du wirst lernen, es zu vergessen.

Samstag, 8. März 2014

Happy Weltfrauentag!


Sonntag, 2. März 2014

Einverleibungen II: Kann man Gnade essen?



Einverleibungen I




























Und die Stimme, die ich vom Himmel gehört hatte, redete abermals mit mir und sprach: Geh hin, nimm das offene Büchlein aus der Hand des Engels, der auf dem Meer und auf der Erde steht!
Und ich ging hin zu dem Engel und sprach zu ihm: Gib mir das Büchlein!
Und er sprach zu mir: Nimm und verschling's! Und es wird dir bitter im Magen sein, aber in deinem Mund wird's süß sein wie Honig.
Und ich nahm das Büchlein aus der Hand des Engels und verschlang's. Und es war süß in meinem Mund wie Honig, und als ich's gegessen hatte, war es mir bitter im Magen.
Und mir wurde gesagt: Du musst abermals weissagen von Völkern und Nationen und Sprachen und vielen Königen. 
(Offenbarung des Johannes, Kapitel 10)