Sonntag, 26. Oktober 2014

Zu Gast in Mannheim-Jungbusch III




Zu Gast in Mannheim-Jungbusch II






Zu Gast in Mannheim-Jungbusch I






Soll ich in einer fremden Stadt unter falschem Namen eine Wohnung nehmen?

Die Wohnung hat Vorhänge aus grünem Samt, eine Tapete mit gelben Blumen & Möbel aus Kirschbaumimitat.
In der Küche eine Dose Nescafé, ein Flaschenöffner & eine Tasse mit Sprung, vergißmeinnichtblau.
Im Waschbecken ein Haar. Ich weiß nicht mehr, von wem es ist. Aber ich achte darauf, daß es nicht verloren geht.

Wenn ich die Tür der Wohnung hinter mir schließe, bin ich verschwunden.
Möchtest du mit?


Sonntag, 28. September 2014

Gottesdienstbesuch

Gott der Herr ist ein Mann im dunkelgrauen Anzug.
Er trägt eine gelbe Krawatte und geht auf der Bühne hin und her.

Gott der Herr weiß alles und macht joviale Scherze.
Er hat Plan, Idee & Weg.

Berufung inklusive.

Er errettet Mädchen in weißen Blusen und mit sächsischem Akzent vor Prüfungsängsten und setzt seinen Regenbogen über das Missionszelt als Zeichen
- aber bitte nicht für LSBTTIQ

Gott der Herr findet in seiner Predigt kein Ende,
neigt zu großen Gesten,
mag keine Sternzeichen & glaubt nicht an die Evolution.

Zumindest an diesem Morgen.
Zumindest sein Ebenbild.



Freitag, 29. August 2014

Pss... Sommer. Nacht. Traum. Liturgie I (Psalm 23)





















Der große Hirte.
Blind folgen wir seinem Geruch.
Er riecht nach Wolle und Regen.
Und nach den Kräutern des Sommers:
Schafsohr, Süßwurz, Hafergras.
Am Himmel weiden die anderen.
Die Wolkenschafe.
Unsere Schwestern.

Der große Hirte ruft uns.
Mit einer Stimme von ganz tief.
Eine Stimme, die wir kennen.
Kennen von weit.
Als wir noch Lämmer waren.
Hopsten und blökten.
Wir folgen ihm.
Wohin er geht.

Der große Hirte führt uns Schafe durch das Tal.
Durch Dunkel und Tod.
Vorbei an Wolf und Bär.
Er weiß den Weg.
Er kennt den Steig.
Sein Mantel leuchtet – selbst noch hier.

Du bereitest vor mir einen Tisch...

Pss... Sommer. Nacht. Traum. Liturgie II (Psalmen 36 und 78)



















Es müsste regnen
Die Wolken müssten sich zusammenballen
Zu leuchtenden Türmen und dunklen Schlössern
Donner müsste grollen
Und von fern müsste es wetterleuchten

Es müsste regnen
gewitterregnen
mit großen Tropfen
die schwarze Flecken auf den Asphalt malen
und die Luft füllen mit diesem ganz bestimmten Geruch
nach Sonne und Erde

Es müsste regnen
Vanillebonbons und Zuckerwatte
Gerechtigkeit
Wirklich gute Songs
Und Männer, die furchtlos sind

Es müsste regnen
gewitterregnen
erst langsam, dann schneller
Perlenschnüre aus Wasser
Zusammengehalten mit Licht
Es müsste regnen
bis die Welt ein umgekehrtes Aquarium ist
und alles schwebt

Es müsste regnen
Erdbeeren
Sternschnuppen
Champagner
Und schöne Könginnen zuhauf

Es müsste regnen
Vom Himmel müsste fallen
Leidenschaft
Brot
Käse
Aprikosen
Schwarzer Kaffee
Eine glückliche Kindheit
Und gutes Leben für alle.
Es müsste regnen.
So müsste es regnen.

(STILLE)
Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist / und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Pss... Sommer. Nacht. Traum. Liturgie III (Psalmen 30 und 126)
















Wie ein Gebet 
Die Wörter an die Wolken binden.
- Haben Brennesseln Verstand? -
Die Seele steigen lassen.

- Dann werden wir sein wie die Träumenden -
Verwandle uns, Ewiger
- Des Morgens die Freude - Ist 7 viel? -
Verwandle uns in einen Regen.
Verwandle deine Kirche in einen Tanz.
Amen.


Pss... Sommer. Nacht. Traum. Liturgie IV (Psalm 4)






















In die Nacht gehen
Ins Dunkel
Nach innen.

Mich in die Nacht legen.
Wenn alles endet
Wenn alles erlischt.

Und selbst die Monster unterm Bett sich zusammen rollen und schlafen.

Sonntag, 13. Juli 2014

2.7.14

Kornblumen wie verschüttetes Wasser
in der Luft der Geruch nach Regen & Feld
Im Gesicht die Sonne von Tagen

1.7.14

Der Tag schlägt die Augen auf
Und das Buch schlägt die Augen auf
Wir gehen durch die Welt
wie durch ein Buch
Mit Satzzeichen aus Farn

Im Traum:
Zwei
im Schatten der Schafgarbe
in der Kammer aus Mirabellenduft
einander liebend

30.6.14

Storchschnabel
Eiche

Apfelbaum
Ins Walddunkel tauchen
Stille
Nur deine Gedanken
verheddert in den Ästen

Und auf dem Weg
ein Lied
von weit her
weit

"Über diesen Stein geht das ganze Dorf", sagt der Schmied
Der Stein für den Sarg
In der Tür eine Lücke für die Seele

GROSS

Ich möchte etwas Großes schreiben.
Etwas sehr Großes.
Rie-sen-groß

Groß wie ein Haus
Wie ein Turm
Wie ein Porsche Cayenne
Und wie eine deutsche Eiche

Etwas Großes.
Von Geburt und Tod
Krieg und Frieden.
Und von Krokodilen.
Auf jeden Fall von Krokodilen!

Etwas Großes.
Mit Liebe und Sex.
Und Verhängnis
Und TOD
Rie-sen-groß

Etwas richtig Grosses.
Mit großen Worten:

GERECHTIGKEIT
GNADE
GESETZ UND EVANGELIUM

Und Leviathan.
Und Engeln!
GROßEN Engeln!
Rie-sen-großen Engeln
Mit Flügeln bis zum Himmel
Und mit Krokodilen.

Ahja, das sagte ich bereits.

Ich möchte etwas Großes schreiben.
Etwas, das zählt.

Aber wahrscheinlich wird's doch wieder was mit Kamille im Wind.
Und mit dem Geruch an deinem Hals, wenn du dich neben mich legst.

Pfingst-Slam

I: Meer. Wald. Regen.
Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel.
Vom Meer her kommt Wind.
Vom Meer her kommt Regen.
Ein Brausen.
Ich träume:
pfefferminzgrün ist der Himmel
Wie deine Augen mittags.

Ich träume:
Pfefferminztee in kleinen Gläsern.
Pfefferminztee mit viel Zucker.
Im Schatten des Sommers.
Im Schatten der Wolke
Der Wolke, die den Geist ausregnet

Ich trinke.
Trinke Süßes.
Bittres.
Trinke Leben.

Ich träume:
Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Ich folge. Folge. Folge...
Durch den Wald.
Pfefferminzgrün ist der Himmel.
Und mein Kleid weiß wie die Rinde der Birken.

Ich träume: Ich folge den Wörtern durch den Wald. 
Von ferne: Glocken
Ist eine gestorben?
Wurde einer geboren?
Ist eine auferstanden?

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Von ferne das Rauschen der Autobahn
Vom Meer her kommt Wind.
Vom Meer her kommt Regen.

Geistregen.

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Ein Reh. Ein Bär. Ein Kolibri.
Mägde. Knechte.
Der Ruf des Propheten.
Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Die Schere im Kopf macht schnipp.
Macht schnapp.
Schnipp. Schnapp. Schnipp. Schnapp. Schnipp. Schnapp. Schnipp. Schnipp. Schnipp
Ich sehe dennoch.
Krokodile!!
Nur aus Plüsch. Keine Sorge.

Ich sehe.
Sehe: Dich.
Sehe den Geruch des Meeres.
Höre den Herzschlag der Schafgarbe
Rieche ihr Lied

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Sie verhaken sich ineinander
Wie wilder Wein.
Wie wilde Liebende.
Ich höre sie seufzen
Lachen.
Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Vom Meer her kommt Wind.
Vom Meer her kommt Regen.
Durchnässt mich
Bis auf die Haut.
Mein Kleid klebt an mir.

Geistregen.

Geist und Wald.
Und Regen.
Und Meer.
Quillt zwischen meinen Zehen hervor.
Lässt Moos wachsen in meinen Kniekehlen
Und Baumschößlinge wurzeln in meinem Ohr.
Im rechten. Um genau zu sein. Im rechten Ohr.

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Folge. Folge. Folge. Folge...  

Donnerstag, 29. Mai 2014

Predigt-Slam: The Movies - ein Best-Of




Mittwoch, 28. Mai 2014

Predigtslam: Drei kleine Abrechnungen mit Wittenberg: I Katholikum























Ich habe den Rosenkranz in die Küche gehängt
Gleich neben den Korkenzieher
Und das Fläschchen mit dem Wasser aus Lourdes steht im Büfett hinter Glas.

Nur dass Sie es wissen, Mr. Martin Luther.
So ist das.
Leben süß wie Kaffee mit 7 Löffeln Zucker. Wie Lakritz. Und Mehlspeis.
Und wie der Geruch nach Weihrauch
Mr. Martin Luther.
Doktor Martin Luther. Verzeihung.
Herr Professor.

Überm Bett: Blau. Gold.
Ein Wirbel aus Glanz
Und eine blinkende Lichterkette
Gegrüßet seist du Maria
Voll der Gnaden
Königin der Marmeladen
Mit Lippen rot wie Blut
Himmelsmutter
Wolkenreiterin
Alles, nur nicht Jungfrau.

Nur dass Sie es wissen, Mr. Martin Luther.
So ist das.
Protestantisches Pfarrhaus.
Katholische Gene.

Predigtslam: Drei kleine Abrechnungen mit Wittenberg: II Haie

University of Wittenberg
Rechtfertigung heute
Sola Fide undsoweiter
Holy Bible
An Essential Guide to Everything
2017 ist nahe herbeigekommen

Heute angesagt: 15 Grad und Regen
Heute angesagt: Sinnflut

Bei H&M ein rosa Pullover mit schwarzen Haien
 - Haie sind die neuen Eulen -
Mit schwarzen Haien – so groß wie kleine Schmetterlinge

Wenn du die Augen zumachst
Oder einfach nur: dich umdrehst und wieder umdrehst, dann sind sie fort.

Die Haie – so groß wie kleine Schmetterlinge
Durchstreifen die Stadt
Haischwarm

Beißen sich fest in den Sonnenhüten der japanischen Touristinnen
Eröffnen eine Bar im verrosteten Wohnwagen auf dem Parkplatz
Legen sich schlafen unter den Lesepulten, den Kerzenständern, den Gesangbuchwägen und den Tischen mit den Flyern, die erzählen von Luthers Frau und Luthers Kind und Luthers Hund und Luthers Magen, Darm und Everything

Haischwarm
Sinnflut

Die Haizähne wie winzige Nadeln
Zerfressen die Wörter
Zernagen die Fahne
Rechtfertigung heute - Essential Guide to Fucking Everything
Zerfällt zu Staub
Grau in Grau
Wie die Haare der Damen und die Anzüge der Herren
Und die Sinnflut
Grau in Grau

Zurück bleiben nur kleine Tropfen Blut an deinem Handgelenk
Wie von Stacheldraht oder Dornenkrone
2018 ist alles vorbei