Sonntag, 23. November 2014

Sonntagnachmittag. Eine Predigt zu TotenEwigkeitsSonntag

Text: Hebräer 4,9-11 
Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.
Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen. So lasst uns nun bemüht sein, zu dieser Ruhe zu kommen, damit nicht jemand zu Fall komme durch den gleichen Ungehorsam.

Sonntagnachmittag
Sonntagnachmittags macht die Welt Siesta.
Die Geschäfte haben zu.
Die Predigten sind gehalten. Die Klöße gegessen. Die Spülmaschine ist bestückt.
Durch das offene Küchenfenster zieht der November herein. Himmel wie Nebel.
Grau wie der Liebermann.
Sichtbetongrau.
Ich schließe das Fenster.
Und dann macht die Welt Siesta. Ich auch.
Sonntagnachmittags bin ich am liebsten in meinem Bett. Ich habe warme Socken an und trinke dort Kaffee. Heiß und süß.
Und ich schaue stundenlang amerikanische Serien. Eine Folge nach der anderen.
Bis es Abend ist und das Treppenhaus vom Liebermann leuchtet. Wie eine Leiter in den dunklen Himmel.
Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. So lasst uns nun bemüht sein, zu dieser Ruhe zu kommen. 

Von den Werken ruhen 
Eine von denen, deren Namen wir heute sagen, liebte Katzen. Ein anderer die Wolken.
Und eine die Bibel. Über alles.
Eine machte Schnitzel. Einer hörte Jazz.
Viele kannten den Krieg. Sie flohen durchs Maisfeld. Und irrten durch die Welt. Manchmal kamen sie an. Manchmal auch nicht.
Eine sammelte den Samen aus den Blüten im Garten und verschenkte ihn. Einer hatte einen Papagei mit bunten Federn. Und eine ein extra Kissen hier bei uns in der Kirche.
Alle wussten etwas von dem Kampf, der das Leben manchmal ist. Sie kannten den Schmerz. Und die Nächte, in denen er nicht mehr auszuhalten ist.
Die Nächte mit den Tränen in der Kehle. Die mit der Einsamkeit. Wenn es ist, als wärst du allein auf der Welt – selbst wenn nebenan einer atmet.
Alle kannten die Nächte.
Und alle kannten den Morgen.
Der Himmel hat die Farbe von Heckenrosen.
Wie die Welt streicheln ist alles dann. Wie umarmt werden. Wie vorsichtige Küsse und erster, ungelenker Tanz.
Sie kannten die Tage am Meer und in den Bergen. Und die ganz normalen Dienstage, an denen plötzlich jemand zu leuchten beginnt. Jene Dienstage, an denen wir unsichtbare Kronen auf unseren Köpfen tragen.
Alle kannten das.
Und alle hinterließen eine Spur in der Welt.
Alle taten ein Werk.
Katzenweich. Wolkenschwer.
Eine erzählte von Jesus. Und einer malte Bilder gegen die Angst. Die meisten hatten Kinder. Manche kauften Wohnungen. Viele konnten zärtlich sein.
Alle taten ein Werk.
Hinterließen eine Spur. Dinge. Gewohnheiten.
Und gingen ins Licht.
Wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen. 

Sterben im Bett 
Wenn ich einmal sterbe, dann soll es in meinem Bett sein.
Ich wünsche mir, dass dann jemand da ist. Der hält meine Hand.
Und wenn mein Herz aufhört zu schlagen, dann zündet hoffentlich eine eine Kerze an und öffnet das Fenster.
Dann fliege ich davon. Das Bett nimmt mich mit. Es passt eigenartigerweise durchs Fenster. Und ich darauf.
Wir fliegen.
Eine Krähe nickt uns zu. Unten die Strasse meiner Kindheit. Schafherde und Schaukel. Vater und Mutter. Meine Schwester. Ihr Kind.
Eine Kirche mit grünem Dach. Dann Wald. Dann Strasse. Dann Meer.
Im Bett dabei hab ich das Kissen mit der Spitzenborte aus Kurdistan. Und die Decke mit den blauen Blumen. Ein paar Wörter auch. Und ein zerknittertes Foto. Was darauf ist, weiß ich noch nicht.
Ich fliege davon. Das Bett nimmt mich mit.
Durch den Nebel hindurch und ins Licht. Wo Jesus auf mich wartet.
Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.
Amen.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Zu Gast in Mannheim-Jungbusch III




Zu Gast in Mannheim-Jungbusch II






Zu Gast in Mannheim-Jungbusch I






Soll ich in einer fremden Stadt unter falschem Namen eine Wohnung nehmen?

Die Wohnung hat Vorhänge aus grünem Samt, eine Tapete mit gelben Blumen & Möbel aus Kirschbaumimitat.
In der Küche eine Dose Nescafé, ein Flaschenöffner & eine Tasse mit Sprung, vergißmeinnichtblau.
Im Waschbecken ein Haar. Ich weiß nicht mehr, von wem es ist. Aber ich achte darauf, daß es nicht verloren geht.

Wenn ich die Tür der Wohnung hinter mir schließe, bin ich verschwunden.
Möchtest du mit?


Sonntag, 28. September 2014

Gottesdienstbesuch

Gott der Herr ist ein Mann im dunkelgrauen Anzug.
Er trägt eine gelbe Krawatte und geht auf der Bühne hin und her.

Gott der Herr weiß alles und macht joviale Scherze.
Er hat Plan, Idee & Weg.

Berufung inklusive.

Er errettet Mädchen in weißen Blusen und mit sächsischem Akzent vor Prüfungsängsten und setzt seinen Regenbogen über das Missionszelt als Zeichen
- aber bitte nicht für LSBTTIQ

Gott der Herr findet in seiner Predigt kein Ende,
neigt zu großen Gesten,
mag keine Sternzeichen & glaubt nicht an die Evolution.

Zumindest an diesem Morgen.
Zumindest sein Ebenbild.



Freitag, 29. August 2014

Pss... Sommer. Nacht. Traum. Liturgie I (Psalm 23)





















Der große Hirte.
Blind folgen wir seinem Geruch.
Er riecht nach Wolle und Regen.
Und nach den Kräutern des Sommers:
Schafsohr, Süßwurz, Hafergras.
Am Himmel weiden die anderen.
Die Wolkenschafe.
Unsere Schwestern.

Der große Hirte ruft uns.
Mit einer Stimme von ganz tief.
Eine Stimme, die wir kennen.
Kennen von weit.
Als wir noch Lämmer waren.
Hopsten und blökten.
Wir folgen ihm.
Wohin er geht.

Der große Hirte führt uns Schafe durch das Tal.
Durch Dunkel und Tod.
Vorbei an Wolf und Bär.
Er weiß den Weg.
Er kennt den Steig.
Sein Mantel leuchtet – selbst noch hier.

Du bereitest vor mir einen Tisch...

Pss... Sommer. Nacht. Traum. Liturgie II (Psalmen 36 und 78)



















Es müsste regnen
Die Wolken müssten sich zusammenballen
Zu leuchtenden Türmen und dunklen Schlössern
Donner müsste grollen
Und von fern müsste es wetterleuchten

Es müsste regnen
gewitterregnen
mit großen Tropfen
die schwarze Flecken auf den Asphalt malen
und die Luft füllen mit diesem ganz bestimmten Geruch
nach Sonne und Erde

Es müsste regnen
Vanillebonbons und Zuckerwatte
Gerechtigkeit
Wirklich gute Songs
Und Männer, die furchtlos sind

Es müsste regnen
gewitterregnen
erst langsam, dann schneller
Perlenschnüre aus Wasser
Zusammengehalten mit Licht
Es müsste regnen
bis die Welt ein umgekehrtes Aquarium ist
und alles schwebt

Es müsste regnen
Erdbeeren
Sternschnuppen
Champagner
Und schöne Könginnen zuhauf

Es müsste regnen
Vom Himmel müsste fallen
Leidenschaft
Brot
Käse
Aprikosen
Schwarzer Kaffee
Eine glückliche Kindheit
Und gutes Leben für alle.
Es müsste regnen.
So müsste es regnen.

(STILLE)
Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist / und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Pss... Sommer. Nacht. Traum. Liturgie III (Psalmen 30 und 126)
















Wie ein Gebet 
Die Wörter an die Wolken binden.
- Haben Brennesseln Verstand? -
Die Seele steigen lassen.

- Dann werden wir sein wie die Träumenden -
Verwandle uns, Ewiger
- Des Morgens die Freude - Ist 7 viel? -
Verwandle uns in einen Regen.
Verwandle deine Kirche in einen Tanz.
Amen.


Pss... Sommer. Nacht. Traum. Liturgie IV (Psalm 4)






















In die Nacht gehen
Ins Dunkel
Nach innen.

Mich in die Nacht legen.
Wenn alles endet
Wenn alles erlischt.

Und selbst die Monster unterm Bett sich zusammen rollen und schlafen.

Sonntag, 13. Juli 2014

2.7.14

Kornblumen wie verschüttetes Wasser
in der Luft der Geruch nach Regen & Feld
Im Gesicht die Sonne von Tagen

1.7.14

Der Tag schlägt die Augen auf
Und das Buch schlägt die Augen auf
Wir gehen durch die Welt
wie durch ein Buch
Mit Satzzeichen aus Farn

Im Traum:
Zwei
im Schatten der Schafgarbe
in der Kammer aus Mirabellenduft
einander liebend

30.6.14

Storchschnabel
Eiche

Apfelbaum
Ins Walddunkel tauchen
Stille
Nur deine Gedanken
verheddert in den Ästen

Und auf dem Weg
ein Lied
von weit her
weit

"Über diesen Stein geht das ganze Dorf", sagt der Schmied
Der Stein für den Sarg
In der Tür eine Lücke für die Seele

GROSS

Ich möchte etwas Großes schreiben.
Etwas sehr Großes.
Rie-sen-groß

Groß wie ein Haus
Wie ein Turm
Wie ein Porsche Cayenne
Und wie eine deutsche Eiche

Etwas Großes.
Von Geburt und Tod
Krieg und Frieden.
Und von Krokodilen.
Auf jeden Fall von Krokodilen!

Etwas Großes.
Mit Liebe und Sex.
Und Verhängnis
Und TOD
Rie-sen-groß

Etwas richtig Grosses.
Mit großen Worten:

GERECHTIGKEIT
GNADE
GESETZ UND EVANGELIUM

Und Leviathan.
Und Engeln!
GROßEN Engeln!
Rie-sen-großen Engeln
Mit Flügeln bis zum Himmel
Und mit Krokodilen.

Ahja, das sagte ich bereits.

Ich möchte etwas Großes schreiben.
Etwas, das zählt.

Aber wahrscheinlich wird's doch wieder was mit Kamille im Wind.
Und mit dem Geruch an deinem Hals, wenn du dich neben mich legst.

Pfingst-Slam

I: Meer. Wald. Regen.
Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel.
Vom Meer her kommt Wind.
Vom Meer her kommt Regen.
Ein Brausen.
Ich träume:
pfefferminzgrün ist der Himmel
Wie deine Augen mittags.

Ich träume:
Pfefferminztee in kleinen Gläsern.
Pfefferminztee mit viel Zucker.
Im Schatten des Sommers.
Im Schatten der Wolke
Der Wolke, die den Geist ausregnet

Ich trinke.
Trinke Süßes.
Bittres.
Trinke Leben.

Ich träume:
Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Ich folge. Folge. Folge...
Durch den Wald.
Pfefferminzgrün ist der Himmel.
Und mein Kleid weiß wie die Rinde der Birken.

Ich träume: Ich folge den Wörtern durch den Wald. 
Von ferne: Glocken
Ist eine gestorben?
Wurde einer geboren?
Ist eine auferstanden?

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Von ferne das Rauschen der Autobahn
Vom Meer her kommt Wind.
Vom Meer her kommt Regen.

Geistregen.

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Ein Reh. Ein Bär. Ein Kolibri.
Mägde. Knechte.
Der Ruf des Propheten.
Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Die Schere im Kopf macht schnipp.
Macht schnapp.
Schnipp. Schnapp. Schnipp. Schnapp. Schnipp. Schnapp. Schnipp. Schnipp. Schnipp
Ich sehe dennoch.
Krokodile!!
Nur aus Plüsch. Keine Sorge.

Ich sehe.
Sehe: Dich.
Sehe den Geruch des Meeres.
Höre den Herzschlag der Schafgarbe
Rieche ihr Lied

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Sie verhaken sich ineinander
Wie wilder Wein.
Wie wilde Liebende.
Ich höre sie seufzen
Lachen.
Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Vom Meer her kommt Wind.
Vom Meer her kommt Regen.
Durchnässt mich
Bis auf die Haut.
Mein Kleid klebt an mir.

Geistregen.

Geist und Wald.
Und Regen.
Und Meer.
Quillt zwischen meinen Zehen hervor.
Lässt Moos wachsen in meinen Kniekehlen
Und Baumschößlinge wurzeln in meinem Ohr.
Im rechten. Um genau zu sein. Im rechten Ohr.

Ich folge den Wörtern durch den Wald.
Folge. Folge. Folge. Folge...  

Donnerstag, 29. Mai 2014

Predigt-Slam: The Movies - ein Best-Of